Verivox Geldverschwendungsreport
Der Verivox Geldverschwendungsreport jongliert mit hohen Milliardenbeträgen - doch was ist der Hintergrund?
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Der diesjährige Verivox Geldverschwendungsreport 2020 (die Idee dürfte dem »Schwarzbuch« entlehnt sein) zeichnet im Mobilfunk eine erfreuliche Mitteilung nach. Und doch bleibt reichlich Raum für Verbesserungen. Aber mal der Reihe nach, was Verivox uns hier mit hochgerechneten Summen vorrechnet.

Details 

Insgesamt 48 Mrd. € würden private Haushalte durch zu teure Verträge zu viel ausgeben − und 15,1 Mrd. € davon entfallen allein auf den Mobilfunksektor. Das sind Summen, die schwindelig machen.

Die Modellrechnung dazu: Laut Verbrauchs- und Medienanalyse (VuMA) nutzen knapp 2/3 der Verbraucher(innen) einen Tarif direkt vom Netzbetreiber, so Verivox:

Knapp zwei Drittel aller Mobilfunkkunden sind laut VuMA bei den drei Netzbetreibern O2, Vodafone und Telekom unter Vertrag. Würden diese Kunden zu einem günstigeren Handyanbieter wechseln, könnten sie rein rechnerisch pro Jahr 15,1 Milliarden Euro einsparen. […] Die Ersparnis beim Wechsel vom Netzbetreiber- zum Discounter-Tarif im gleichen Netz (Allnet-Flat mit 3 GB Datenvolumen) beträgt 179,04 Euro. Multipliziert mit 80,7 Millionen Kunden bei den Netzbetreibern ergibt das 15,08 Milliarden Euro.

Faktencheck zum Verivox Geldverschwendungsreport: Unklare Rechengrößen

Unser kleiner Faktencheck zeigt, dass Verivox nicht nur uns durcheinanderbringt, sondern wohl auch sich selbst:

  • Nicht 2/3, sondern 60,1% weist die VuMA aktuell als Netzbetreiber-Anteil im Mobilfunk aus (PDF, Seite 50)
  • Im Verivox-Report werden daraus 84,23 Mio. Netzbetreiber-Kunden (statt auf der Verivox-Homepage 80,7 Mio. Kunden). Dann geht die Rechnung mit den 15,1 Mrd. € auf, sonst nicht (denn 80,7 Mio. Kunden x 179,04 € wären »nur« 14,5 Mrd. €); hier verwechselt Verivox seine Zahlen selbst auf Webseite und Report.

Ob Verivox zudem die Ungenauigkeit (2/3 sind keine 60,1%) bei der Umrechnung in Netzbetreiber-Kunden also angewendet hat, ist uns nicht bekannt. Denn es wird nicht klar, was die Basis für die Ersparnisberechnung ist:

  • Ist es die Gesamtzahl aller SIM-Karten, wie sie die Bundesnetzagentur quartalsweise ausgibt?
  • Oder ist es die Anzahl der Mobilfunkkarten im Verbrauchermarkt (ohne Maschinenkarten), wie sie der Jahresbericht der Bundesnetzagentur konkretisiert (2019 wären dann es dann »nur« 107,2 Mio. SIM-Karten gewesen, sodass bei 60,2% es letztlich um 64,5 Mio. Kunden ginge (dann läge die Verschwendung bei »nur« 11,55 Mrd. €)?

Das bleibt (leider) unklar, und somit sind auch die genauen Ersparnis-Berechnungen nicht ernst zu nehmen.

  • Wie kommen denn eigentlich die 179,04 € Ersparnis zustande?

Blöd nur dann, wenn Journalismus darauf anspringt − seriöse, belastbare Zahlen sind das eben nicht, aber eigentlich geht es ja auch nur um eins: Aufmerksamkeit.

Und diese Aussage lässt sich mit Sicherheit untermauern, denn vermutlich lässt sich bestimmt durch Tarifoptimierung immer etwas einsparen, denn: Niemand befindet sich direkt immer im günstigsten Tarif. Das ist allein schon dadurch der Fall, dass man sich ja ggf. für einen Zweijahresvertrag entschieden hat und die Kosten für alternative Tarife in dieser Zeit weiter sinken können. Selbst wechselfreudige Verbraucher sind dann ja noch für geraume Zeit gebunden und verhageln diese Statistik. Denn sich selbst optimierende Verträge gibt es ja nun mal nicht.

Auch wenn ich den Grund-Tenor, der natürlich für Preisvergleichsportale mitschwingen muss, teile (Überprüf deinen aktuellen Tarif und wechsle, wenn es sich als günstig(er) erweist) − die Darstellung hier ist doch reißerischer, als es vielleicht der Fall ist. Für mich überzogen.

Weniger Verschwendung seit 2018

Denn mit Blick auf den Geldverschwendungsreport 2018 (siehe alte Pressemitteilung) fällt auf:

  • Von den 48 Mrd. € verschwendeten Geldern entfielen vor anderhalb Jahren noch 18 Mrd. € auf Handyverträge − das sind also 3 Mrd. € weniger, und das bei steigender Anzahl an SIM-Karten
  • Auch das Ersparnispotenzial hat sich von 2018 (220 €) zu 2020 (179,04 €) deutlich verringert (ca. 41 €)

Verständlich, dass man als Preisvergleichsportal diese Aussagen, die sich eben auch in den Daten verstecken, nicht genau so bringen kann, sondern lieber mit den großen Summen aufmacht.

Mein Fazit: Verivox Geldverschwendungsreport mit eher reißerischen Aussagen

Ich möchte auch kein Plädoyer gegen Preisvergleich halten, mitnichten. Und auch nicht die Daten grundsätzlich infrage stellen (die BNetzA würde bspw. einen Netzbetreiber-Anteil von 75% ausweisen und demnach für eine noch größere Ersparnisdarstellung viel sinnvoller sein als die VuMA). Für einen guten Überblick und Einstieg in das Thema sind Verivox, Check24 & Co. super.

Aber: Du solltest m.E. nicht den Eindruck gewinnen, als ob du für deinen Tarif ständig zu viel bezahlst.

Was ich möchte: Hinterfrag doch einfach mal diese Negativstimmung in Bezug auf Handyverträge. Eine letzte Studie hatte auch gezeigt, dass 4 von 5 Kunden mit ihrem Handytarif zufrieden sind − berichtet wurde in einschlägigen Magazinen aber von der Unzufriedenheit der Minderheit. Und auch wir machen immer wieder die Erfahrung, dass viele Kunden bereits einen günstigen Anbieter haben und zufrieden sein − dann lohnt sich ein Wechsel nur für einen: das Preisvergleichsportal (oder eben uns, wenn du über unsere Links zu einem neuen Tarif geleitet wirst).

Und eines ist auch klar: Beim hier theoretisch herangezogenen Tarifwechsel vom Netzbetreiber- in den Discounter-Tarif ist gar keine Rede von den Qualitätsunterschieden (maximale Surfgeschwindigkeit (LTE Max vs. Discounter − sollte man aber nicht zu hoch hängen), funktionale Komfortleistungen (WLAN-Calling, VoLTE oder eSIM − gerade die eSIM-Nutzung für die Apple Watch wird ja gerade »netzbetreiberisiert«) oder Zusatzleistungen (Zero-Rating via StreamON, Vodafone Pass, o2 Boost/Connect, Hotspot-Flats etc.)). Die lassen sich ja allein durch den Preis abbilden. Die 15 Mrd. € Verschwendung setzen also voraus, dass Verbraucher(innen) diese Leistungen nicht wohlbedacht ausgewählt haben, sondern allein vom Preis getrieben. Welcher Handytarif zu dir passt, hängt aber beileibe nicht nur vom Preis ab. 😉

Also: Vermutlich ist das Einsparpotenzial bei vielen Kunden tatsächlich da. Ob der Verivox Geldverwendungsreport aber eine verlässliche Bezifferung dieses Potenzials wiedergibt, möchte ich infrage stellen.

überverivox
Daniel
Tarif-Experte / findet sein iPhone 7 (256 GB) total ausreichend - und die congstar Allnet-Flat (10 GB) für 16,25 € mtl. sowieso / ist mit seinem Tarif komplett überversorgt und versurft selten sein komplettes Datenvolumen / mag keine langen Fußnotentexte / empfiehlt bei den Smartphonefreunden nur das, was er auch guten Freunden rät
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